Archive for the ‘Lyrik’ Category

Was ich Dir wünsche

posted by Gruftspion
Dienstag Juni 30, 2009

Sonne auch in Regenzeiten,
Träume die Dich stets begleiten
Menschen, die Dir wichtig sind,
nicht alles sehen und doch nicht blind.

Schlechte Tage, die vergehen,
Deinen Nächsten zu verstehen.
Freude am Leben und am Tun,
ungestörte Nächte, um zu ruhn.

Zeit für Freunde, Zeit für Dich,
nicht jeden Tag, doch gelegentlich.
Probleme, die zu lösen sind
sich auch mal freuen wie ein Kind.

Arbeit, die zufrieden macht,
eine Seele, die oft lacht.
Nachbarn, die nicht dauernd stören,
Zeit um in Dich hineinzuhören.

Gesundheit, Glück und Wohlergehen,
doch schlechte Zeiten auch annehmen.
Mit gutem Mut in die Zukunft schauen
und dazu auch das Gottvertrauen.

(gefunden im www)

chinaambiete

Die blaue Rose

posted by Gruftspion
Sonntag Juni 21, 2009

Der Kaiser von China hatte eine Tochter, die war schön und sehr klug – und sehr, sehr eigenwillig: was sie nicht wollte, das wollte sie nicht.
Und heiraten, heiraten wollte sie ganz gewiß nicht.
Am Hof und im ganzen Reich wurde darüber schon getuschelt:
“Sie nimmt keinen Mann. Sie will keinen Mann! Was mag da nur los sein?
Ist sie zu stolz? Oder kann sie nicht lieben? Oder ist sie am Ende gar verhext?”
Ihr Vater, der Kaiser, drängte sie darum jeden Tag, doch einen Ehemann zu nehmen, und endlich sagte sie: “Also gut, ich werde heiraten – aber nur den, der mir eine blaue Rose bringt”.
Da rief der Kaiser alle großen und wichtigen Männer des Reiches in seinen Palast, und sagte, derjenige solle seine einzige Tochter zur Frau bekommen, der ihr eine blaue Rose bringe.
“Eine blaue Rose? Eine blaue Rose! Hat man davon je gehört?!”
Die Freier murmelten und murrten und machten sich davon.
Und nur drei blieben übrig: der erste ein großer Kriegsheld,
der zweite ein reicher Kaufmann,
der dritte ein Gelehrter, bewandert in allen Wissenschaften und in der schwarzen Kunst der Hexerei.
Und die versprachen nun alle drei, in dreißig Tagen zurückzukommen mit einer blauen Rose.
Der Kriegsheld rüstete sich und zog mit hundert Kampfgefährten gegen ein benachbartes Königreich, das war berühmt für seine Schätze.
Und dem König des Reiches ließ er sagen:
“Ich werde dich vom Thron stürzen und dein Reich zerstören,
wenn du mir
nicht eine blaue Rose bringst!”
Der König erschrak, und mit ihm sein Reich,
und seine Diener und Ratgeber überlegten hin und her,
bis endlich einer in einer Schatzkammer einen großen blauen Edelstein fand,
einen gewaltigen Saphir. Den brachte man zu einem Edelsteinschleifer,
der schnitt daraus eine blaue Rose, die gab man dem fremden Krieger,
und der zog zufrieden ab.
Der Kaufmann durchforschte all seine Lager und Speicher
und ließ auf allen Märkten im Inland und Ausland fragen,
ob eine blaue Rose zu kaufen wäre – aber sie war für Geld nicht zu haben.
Da erstand er für ein Vermögen eine Schale aus Porzellan,
zart wie ein Posenblatt,
und vom besten und teuersten Maler des Reiches ließ er da hinein
eine blaue Rose malen.
Der Gelehrte ging in sein Haus, schloß sich ein in der innersten Kammer, s
chlug nach in den uralten Büchern, fand die geheime Formel,
mischte seltsame Kräuter und Pulver, kochte daraus einen blauen Sud,
stellte eine weiße Rose hinein – und die weiße Rose färbte sich blau!
Nach dreißig Tagen kamen die drei zum kaiserlichen Palast;
verneigten sich vor dem Kaiser und vor seiner Tochter,
dann trat der Krieger vor und gab der Prinzessin die Edelsteinrose.
“Das ist keine blaue Rose,” sagte die Prinzesssin, “das ist ein Saphir,
und davon hab ich mehr als genug.”
Da trat der Kaufmann vor und reichte ihr die Rose aus Porzellan.
“Wie schön, wie wunderschön,” sagte die Prinzessin.
“Sollte ich jemals wirklich eine blaue Rose bekommen,
so will ich sie nur in diese Vase stellen.”
Da trat der Gelehrte vor und gab ihr die Zauberrose.
Die Prinzessin nahm sie, besah sie von allen Seiten,
ging damit zum geöffneten Fenster – da flog ein Schmetterling herein,
setzte sich auf die Rose und fiel im Augenblick wie tot zu Boden.
“Das ist
keine blaue Rose”, rief die Prinzessin, “das ist Gift und Betrug und Hexerei!”
Am Abend dieses Tages ging sie durch den Garten des kaiserlichen Palastes.
Da hörte sie von jenseits der Mauer eine wunderschöne Melodie,
und jemand sang dazu von der Schönheit und von der Liebe
und von der Sehnsucht. Sie stieg auf einen Gartenstuhl, schaute über die Mauer und erblickte einen jungen Spielmann.
“Wie schön ist dein Lied, Fremder,” sagte sie.
Viel schöner ist dein Gesicht, Fremde,” sagte er.
Und die Luft war süß und der Mond schien wie Silber
und sie blieben sich nicht lange fremd, denn ihre Herzen fanden zueinander.
“Du bist der erste Mann, den ich lieben kann,” sagte die Tochter des Kaisers, “doch ich kann dich nicht heiraten,
denn ich habe erklärt, ich würde nur den zum Mann nehmen,
der mir eine blaue Rose bringt.
Und das Wort der Tochter des Kaisers ist wie ein Gesetz.”
“Ach, wenn es mehr nicht ist!”, sagte der Spielmann,
“morgen früh komm ich zu dir in den Palast mit einer blauen Rose.”
Am andern Morgen ging der Spielmann zum Palast,
und unterwegs pflückte er am Straßenrand eine weiße Rose.
Und er trat vor den Kaiser und seine Tochter, verneigte sich
und gab der Prinzessin die Blume, die er in der Hand hielt.
Die nahm die Blume und sah den Spielmann an und sagte,
ja, genau so eine blaue Rose habe sie sich immer gewünscht.
Und weil das Wort der Tochter des Kaisers wie ein Gesetz ist,
darum sagte ihr Vater:
“Sie hat es gesagt, die Rose ist blau, und damit wird sie jetzt deine Frau!”
Und sie heirateten und wurden sehr glücklich und bekamen viele Kinder.
Und im Garten ihres Palastes blühten tausende weiße Rosen, aber sie nannten ihn nur – unsern blauen Garten.

aus Lisa Tetzner / 365 Märchen)

blaue_rose13

Die Metamorphose der Pflanzen

posted by Gruftspion
Sonntag Juni 21, 2009

Dich verwirret, Geliebte, die tausendfältige Mischung
Dieses Blumengewühls ueber dem Garten umher;
Viele Namen hörest du an, und immer verdränget
Mit barbarischem Klang einer den andern im Ohr.
Alle Gestalten sind ähnlich, und keine gleichet der andern;
Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz,
Auf ein heiliges Rätsel. O könnt’ ich dir, liebliche Freundin,
Überliefern sogleich glücklich das lösende Wort!
Werdend betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze,
Stufenweise geführt, bildet zu Blüten und Frucht.
Aus dem Samen entwickelt sie sich, sobald ihn der Erde
Stille befruchtender Schoss hold in das Leben entlässt,
Und dem Reize des Lichts, des heiligen, ewig bewegten,
Gleich den zärtesten Bau keimender Blätter empfiehlt.
Einfach schlief in dem Samen die Kraft; ein beginnendes Vorbild
Lag, verschlossen in sich, unter die Hülle gebeugt,
Blatt und Wurzel und Keim, nur halb geformet und farblos;
Trocken erhält so der Kern ruhiges Leben bewahrt,
Quillet strebend empor, sich milder Feuchte vertrauend,
Und erhebt sich sogleich aus der umgebenden Nacht.
Aber einfach bleibt die Gestalt der ersten Erscheinung;
Und so bezeichnet sich auch unter den Pflanzen das Kind.
Gleich darauf ein folgender Trieb, sich erhebend, erneuet,
Knoten auf Knoten getürmt, immer das erste Gebild.
Zwar nicht immer das gleiche; denn mannigfaltig erzeugt sich,
Ausgebildet, du siehst’s, immer das folgende Blatt,
Ausgedehnter, gekerbter, getrennter in Spitzen und Teile,
Die verwachsen vorher ruhten im untern Organ.
Und so erreicht es zuerst die höchst bestimmte Vollendung,
Die bei manchem Geschlecht dich zum Erstaunen bewegt.
Viel gerippt und gezackt, auf mastig strotzender Fläche,
Scheinet die Fülle des Triebs frei und unendlich zu sein.
Doch hier hält die Natur, mit mächtigen Händen, die Bildung
An und lenket sie sanft in das Vollkommnere hin.
Mässiger leitet sie nun den Saft, verengt die Gefässe,
Und gleich zeigt die Gestalt zärtere Wirkungen an.
Stille zieht sich der Trieb der strebenden Ränder zurücke,
Und die Rippe des Stiels bildet sich völliger aus.
Blattlos aber und schnell erhebt sich der zärtere Stengel,
Und ein Wundergebild zieht den Betrachtenden an.
Rings im Kreise stellet sich nun, gezählet und ohne
Zahl, das kleinere Blatt neben dem ähnlichen hin.
Um die Achse gedrängt, entscheidet der bergende Kelch sich,
Der zur höchsten Gestalt farbige Kronen entlässt.
Also prangt die Natur in hoher, voller Erscheinung,
Und sie zeiget, gereiht, Glieder an Glieder gestuft.
Immer staunst du aufs neue, sobald sich am Stengel die Blume
Ueber dem schlanken Geruest wechselnder Blätter bewegt.
Aber die Herrlichkeit wird des neuen Schaffens Verkündung;
Ja, das farbige Blatt fühlet die göttliche Hand,
Und zusammen zieht es sich schnell; die zaertesten Formen,
Zwiefach streben sie vor, sich zu vereinen bestimmt.
Traulich stehen sie nun, die holden Paare, beisammen,
Zahlreich ordnen sie sich um den geweihten Altar.
Hymen schwebet herbei, und herrliche Düfte, gewaltig,
Strömen süssen Geruch, alles belebend, umher.
Nun vereinzelt schwellen sogleich unzählige Keime,
Hold in den Mutterschoss schwellender Früchte gehüllt.
Und hier schliesst die Natur den Ring der ewigen Kräfte;
Doch ein neuer sogleich fasset den vorigen an,
Dass die Kette sich fort durch alle Zeiten verlänge
Und das Ganze belebt, so wie das Einzelne, sei.
Wende nun, o Geliebte, den Blick zum bunten Gewimmel,
Das verwirrend nicht mehr sich vor dem Geiste bewegt.
Jede Pflanze verküendet dir nun die ew’gen Gesetze,
Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir.
Aber entzifferst du hier der Göttin heilige Lettern,
Überall siehst du sie dann, auch in verändertem Zug.
Kriechend zaudre die Raupe, der Schmetterling eile geschäftig,
Bildsam aendre der Mensch selbst die bestimmte Gestalt.
O, gedenke denn auch, wie aus dem Keim der Bekanntschaft
Nach und nach in uns holde Gewohnheit entspross,
Freundschaft sich mit Macht aus unserm Innern enthüllte,
Und wie Amor zuletzt Blüten und Früchte gezeugt.
Denke, wie mannigfach bald die, bald jene Gestalten,
Still entfaltend, Natur unsern Gefühlen geliehn!
Freue dich auch des heutigen Tags! Die heilige Liebe
Strebt zu der höchsten Frucht gleicher Gesinnungen auf,
Gleicher Ansicht der Dinge, damit in harmonischem Anschaun
Sich verbinde das Paar, finde die höhere Welt.

(Johann Wolfgang von Goethe)

rose im nass